Inhalt (8 Abschnitte)
- Pauschale Beihilfe in NRW: der Stand im Oktober 2026
- Was der Härtefall-Zuschuss im Entwurf bedeutet – und was nicht
- Was gesetzlich versicherte Beamte in NRW heute zahlen
- Warum Warten auf die pauschale Beihilfe riskant sein kann
- Wechsel zwischen NRW und Ländern mit pauschaler Beihilfe
- Individuelle Beihilfe in NRW: was Sie heute bekommen
- NRW: für wen trotzdem die GKV, für wen die PKV?
- Datenstand und Änderungslog
- Nordrhein-Westfalen hat die pauschale Beihilfe nicht eingeführt (Stand Oktober 2026); gesetzlich versicherte Beamte zahlen ihren Krankenversicherungsbeitrag allein.
- Der Koalitionsvertrag von 2022 sah eine pauschale Beihilfe für neu eingestellte Beamte vor; der Gesetzentwurf zur Modernisierung des öffentlichen Dienstes (Landtagsvorlage 18/5099, April 2026) enthält sie nicht.
- Der Entwurf sieht stattdessen eine Ermächtigung für Beitragszuschüsse nur in besonderen Härtefällen vor, gesetzlich auf höchstens 100 € im Monat begrenzt.
- Modellrechnung 2026: Ein Single mit 4.000 € zahlt in der GKV 772 € im Monat, in der PKV mit 50 % Beihilfe angenommen 300 €; eine Familie mit zwei Kindern 738 € gegenüber angenommenen 635 €.
- Wer als Anwärter auf eine mögliche Einführung wartet, riskiert die 6-Monats-Frist der Öffnungsaktion der PKV.
Die pauschale Beihilfe gibt es in NRW nicht (Stand Oktober 2026): Nordrhein-Westfalen zahlt gesetzlich versicherten Beamten keinen Zuschuss zum Krankenversicherungsbeitrag, es bleibt bei der individuellen Beihilfe nach der BVO NRW. Der Koalitionsvertrag von 2022 hatte sie angekündigt; der Gesetzentwurf zur Modernisierung des öffentlichen Dienstes vom April 2026 enthält sie nicht und sieht nur Zuschüsse in besonderen Härtefällen bis 100 € im Monat vor.
Pauschale Beihilfe in NRW: der Stand im Oktober 2026
In neun Ländern können Beamte inzwischen zwischen individueller Beihilfe und einem Zuschuss zur Krankenversicherung wählen – Nordrhein-Westfalen gehört nicht dazu. Den Überblick über alle Länder gibt die Seite pauschale Beihilfe nach Bundesland. Für NRW ist der Stand:
| Punkt | Stand |
|---|---|
| Pauschale Beihilfe | nicht eingeführt |
| Koalitionsvertrag 2022 | sah eine pauschale Beihilfe vor, laut Länderübersicht der Landesregierung Rheinland-Pfalz nur für neu eingestellte Beamte |
| Gesetzentwurf „Modernisierung des öffentlichen Dienstes – weitere Maßnahmen“ (Vorlage 18/5099, April 2026) | keine pauschale Beihilfe |
| Stattdessen im Entwurf | Verordnungsermächtigung für Beitragszuschüsse nur in besonderen Härtefällen, höchstens 100 € im Monat (geplanter § 75 Abs. 10 LBG) |
| Ebenfalls im Entwurf | 70 % Beihilfe in der Elternzeit |
| In Kraft? | nein – Entwurf, nicht verkündet |
Ob und wann sich das ändert, entscheidet der Landtag. Wir bewerten das nicht politisch, sondern aktualisieren diese Seite, sobald ein Gesetz beschlossen ist.
Was der Härtefall-Zuschuss im Entwurf bedeutet – und was nicht
Der Entwurf ermächtigt das Finanzministerium, per Rechtsverordnung Zuschüsse zu den Beiträgen der (freiwilligen) gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung zu regeln. Laut Begründung nur in besonderen Härtefällen, in denen die Beiträge im Einzelfall eine Belastung darstellen, die nach objektiven Gesichtspunkten nicht zumutbar erscheint. Die Höhe ist gesetzlich auf höchstens 100 € im Monat begrenzt; der Zuschuss wäre steuerfrei nach § 3 Nr. 62 EStG.
Kein Wahlrecht wie in HamburgEine pauschale Beihilfe zahlt die Hälfte des Beitrags für alle, die sie wählen. Der geplante Härtefall-Zuschuss ist dagegen eine Einzelfallhilfe mit Obergrenze. Wer in NRW gesetzlich versichert ist, sollte für seine Planung davon ausgehen, den Beitrag allein zu tragen.
Was gesetzlich versicherte Beamte in NRW heute zahlen
Beamte sind in der GKV versicherungsfrei und können nur mit einem Beitrittsrecht freiwillig Mitglied werden (§ 9 SGB V). Dann zahlen sie den Beitrag ohne Arbeitgeberanteil: den ermäßigten Satz von 14,0 % (§ 243 SGB V, kein Krankengeld) plus Zusatzbeitrag – 2026 im Durchschnitt 2,9 % – auf alle Einnahmen bis 5.812,50 € im Monat (§ 240 SGB V). In der Pflege zahlen Beihilfeberechtigte den halben Satz: 2,4 % kinderlos, 1,8 % mit einem Kind, 1,55 % mit zwei Kindern.
| Modellfall | GKV allein | PKV mit Beihilfe | Unterschied pro Monat |
|---|---|---|---|
| Single, 3.000 € Besoldung | 579,00 € | 300 € | PKV 279 € günstiger |
| Single, 4.000 € Besoldung | 772,00 € | 300 € | PKV 472 € günstiger |
| Partner ohne Einkommen, 2 Kinder, 4.000 € | 738,00 € | 635 € | PKV 103 € günstiger |
Rechenweg für den Single mit 4.000 €: 4.000 € × 16,9 % = 676 € Krankenversicherung plus 4.000 € × 2,4 % = 96 € Pflege. Zum Vergleich: In einem Land mit pauschaler Beihilfe würde derselbe Beamte 434 € zahlen, die Familie 400 €. Genau deshalb fällt die Entscheidung in NRW fast immer anders aus als in Hamburg oder Niedersachsen – selbst Familien mit nicht berufstätigem Partner fahren in der Modellrechnung mit der PKV günstiger. Ihre eigenen Zahlen rechnet der Pauschale-Beihilfe-Rechner (Nordrhein-Westfalen auswählen); ein PKV-Beitragsband zeigt der PKV-Kosten-Rechner.
Warum Warten auf die pauschale Beihilfe riskant sein kann
Gerade Anwärter und Lehramtsreferendare überlegen, zunächst gesetzlich versichert zu bleiben, bis NRW vielleicht doch eine pauschale Beihilfe einführt. Drei Punkte sprechen dafür, die Entscheidung nicht vom Warten abhängig zu machen:
- Die Öffnungsaktion läuft: Wer Vorerkrankungen hat, kommt über die Öffnungsaktion der PKV ohne Ablehnung und mit höchstens 30 % Zuschlag in die PKV – aber nur, wenn der Antrag innerhalb von sechs Monaten nach Beginn des Beamtenverhältnisses beim Versicherer eingeht. Das Datum berechnet der Fristen-Rechner.
- Warten kostet: Als GKV-Mitglied zahlen Sie den vollen Beitrag allein, solange es keinen Zuschuss gibt.
- Unklarer Personenkreis: Der Koalitionsvertrag nannte nur neu eingestellte Beamte. Wie eine mögliche Regel für Bestandsbeamte aussähe, ist offen.
Lehramtsanwärter werden in NRW seit der neuen Ordnung des Vorbereitungsdienstes 2026 grundsätzlich zum 1. Mai eingestellt; die sechs Monate beginnen mit der Verbeamtung auf Widerruf.
Wechsel zwischen NRW und Ländern mit pauschaler Beihilfe
- Von einem Land mit pauschaler Beihilfe nach NRW: Es gilt das NRW-Recht. Der Zuschuss entfällt, Sie erhalten individuelle Beihilfe. Wer in der GKV ist, zahlt den Beitrag dann allein – 2026 bis zu 982,31 € im Monat für die Krankenversicherung. Die Öffnungsaktion steht nach der Wahl der pauschalen Beihilfe laut PKV-Verband nicht mehr offen.
- Von NRW in ein Land mit pauschaler Beihilfe: Dort können Sie wählen – achten Sie auf Ausschlussfristen, etwa fünf Monate in Baden-Württemberg oder ein Jahr in Niedersachsen ab der Versetzung.
Mehr dazu im Ratgeber Dienstherrnwechsel und Beihilfe.
Individuelle Beihilfe in NRW: was Sie heute bekommen
Die Beihilfe nach der BVO NRW trägt 50 % für aktive Beamte, 70 % mit zwei berücksichtigungsfähigen Kindern und im Ruhestand, 70 % für Ehe- und Lebenspartner und 80 % für Kinder. Die Kostendämpfungspauschale ist seit 2022 abgeschafft. Wahlleistungen im Krankenhaus sind beihilfefähig, mit einem Abzug von 10 € je Tag für die Chefarztbehandlung und 15 € je Tag für das Zweibettzimmer (jeweils höchstens 20 Tage im Jahr). Partner sind berücksichtigungsfähig, wenn ihre Einkünfte im Kalenderjahr vor den Aufwendungen 23.861 € (2026) bzw. 24.873 € (2027) nicht übersteigen – prüfbar mit dem Ehepartner-Rechner. Alle Details stehen auf der Seite Beihilfe NRW: Bemessungssätze.
Polizeivollzugsbeamte erhalten in NRW freie Heilfürsorge und ergänzende Beihilfe, etwa für Wahlleistungen. Für sie stellt sich die Frage GKV oder PKV vor allem für die Familie und für die Zeit nach dem Dienst.
NRW: für wen trotzdem die GKV, für wen die PKV?
GKV kann auch ohne Zuschuss passen, wenn …
- eine PKV wegen Vorerkrankungen nur mit sehr hohem Zuschlag möglich wäre und die Öffnungsaktion verpasst ist
- Sie sehr niedrige Einnahmen und mehrere Kinder haben
- Sie die Verbeamtung nur kurz planen und danach in eine Pflichtversicherung zurückkehren
PKV mit Beihilfe ist meist günstiger, wenn …
- Sie Single sind – der Unterschied liegt oft bei mehreren hundert Euro im Monat
- Sie mittlere oder höhere Besoldung haben
- Partner und Kinder Beihilfe erhalten (70 bzw. 80 %)
Die Systemfrage mit allen Argumenten beantwortet der Ratgeber Beamte: GKV oder PKV? Ihren Satz, Ihre Restkosten und Ihre Fristen zeigt der kostenlose Beihilfe-Check.
Datenstand und Änderungslog
- 10.10.2026: Erstfassung, geprüft gegen BVO NRW (Fassung ab 04.08.2026), Landtag NRW Vorlage 18/5099 (Gesetzentwurf, Stand April 2026) und die Länderübersicht in Landtag RLP Drs. 18/6756.
- Werte 2026: Beitragsbemessungsgrenze 5.812,50 € im Monat, Ø-Zusatzbeitrag 2,9 %, Pflege 1,8 % (kinderlos 2,4 %).
Beihilfe-Rechner.de ist ein kostenloses Informations- und Rechnerportal, kein Angebot des Landes Nordrhein-Westfalen oder einer Beihilfestelle.
Häufige Fragen
Gibt es die pauschale Beihilfe in NRW?
Nein. Nordrhein-Westfalen hat die pauschale Beihilfe nicht eingeführt (Stand Oktober 2026). Beamte erhalten individuelle Beihilfe nach der BVO NRW; wer gesetzlich versichert ist, zahlt den Beitrag ohne Zuschuss des Dienstherrn.
Wann kommt die pauschale Beihilfe in NRW?
Ein Termin steht nicht fest, und es gibt kein Gesetz dazu. Der Koalitionsvertrag von 2022 sah sie für neu eingestellte Beamte vor; der Gesetzentwurf der Landesregierung zur Modernisierung des öffentlichen Dienstes (Vorlage 18/5099, April 2026) enthält sie nicht. Wir aktualisieren diese Seite, sobald sich das ändert.
Was ist der Härtefall-Zuschuss im NRW-Gesetzentwurf?
Der Entwurf ermächtigt das Finanzministerium, per Verordnung Zuschüsse zu Krankenversicherungsbeiträgen zu regeln – nur in besonderen Härtefällen, wenn die Beiträge im Einzelfall unzumutbar belasten, und höchstens 100 € im Monat. Das ist keine pauschale Beihilfe, und es ist noch nicht in Kraft.
Was zahlen gesetzlich versicherte Beamte in NRW?
Den vollen Beitrag allein: 14,0 % plus Zusatzbeitrag (2026 im Durchschnitt 2,9 %) auf alle Einnahmen bis 5.812,50 € im Monat, also höchstens 982,31 € für die Krankenversicherung, dazu den halben Pflegebeitrag. Bei 4.000 € Besoldung sind das ohne Kinder rund 772 € im Monat.
Sollte ich als Anwärter in NRW auf die pauschale Beihilfe warten?
In der Regel nicht, wenn Sie in die PKV möchten oder Vorerkrankungen haben: Die Öffnungsaktion der PKV gilt nur innerhalb von sechs Monaten nach Beginn des Beamtenverhältnisses. Wer in der GKV wartet, zahlt bis dahin den vollen Beitrag allein – ohne Gewissheit, ob und für wen eine Pauschale je kommt.
Quellen
- Landtag NRW: Vorlage 18/5099 – Entwurf eines Gesetzes zur Modernisierung des öffentlichen Dienstes in NRW, weitere Maßnahmen – April 2026
- BVO NRW, Fassung ab 04.08.2026 (recht.nrw.de)
- Landtag Rheinland-Pfalz, Drs. 18/6756: Länderübersicht der Landesregierung RLP zur pauschalen Beihilfe (u. a. Koalitionsvertrag NRW) – 22.06.2023
- Bezirksregierung Köln: FAQ Beihilfe für Ehe- und Lebenspartner – Stand 22.07.2026
- § 243 SGB V – ermäßigter Beitragssatz
- § 55 SGB XI – Beitragssatz der Pflegeversicherung
- § 240 SGB V – Beitragsbemessung freiwilliger Mitglieder
- PKV-Verband: Erleichterte Aufnahme in die PKV für Beamte (Öffnungsaktion) – Stand Januar 2026
Dieser Beitrag bietet allgemeine Informationen zu der Beihilfe und der Krankenversicherung von Beamten (Stand: 13. Oktober 2026). Er ersetzt keine individuelle Beratung. Welche Lösung zu Ihnen passt, hängt von Ihrer persönlichen Situation ab, z. B. Alter, Gesundheit, Einkommen und Familie. Trotz sorgfältiger Prüfung übernehmen wir keine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität; Gesetze und Tarife ändern sich. Herausgeber: Beihilfe-Rechner.de. Beihilfe-Rechner.de ist kein Versicherungsmakler und bietet keine Versicherungs-, Rechts- oder Steuerberatung an; eine individuelle Beratung erfolgt ausschließlich durch spezialisierte Kooperationspartner mit Erlaubnis nach § 34d GewO.