Inhalt (10 Abschnitte)
- Warum Heilfürsorgeberechtigte eine Anwartschaft brauchen
- Kleine oder große Anwartschaft?
- Die Frist: sechs Monate ab Beginn der Heilfürsorge
- Was kostet eine Anwartschaft für Heilfürsorgeberechtigte?
- Frist verpasst – was jetzt?
- Drei Beispiele aus dem Dienstalltag
- Die Anwartschaft öffnet auch der Familie die Tür
- Umwandlung: wenn die Heilfürsorge endet
- Abgrenzung: Anwartschaft für andere Lebenslagen
- Checkliste Anwartschaft
- Eine Anwartschaft sichert Heilfürsorgeberechtigten den späteren Wechsel in einen beihilfekonformen Restkostentarif – die kleine friert den Gesundheitszustand ein, die große zusätzlich das Eintrittsalter.
- Über die Öffnungsaktion können Heilfürsorgeberechtigte nur eine Anwartschaft abschließen, und zwar innerhalb von sechs Monaten ab Beginn des Anspruchs auf Heilfürsorge oder truppenärztliche Versorgung (PKV-Verband, Stand Januar 2026).
- Ein Anbieter bewirbt eine Anwartschaft für Heilfürsorgeberechtigte ab 1 € im Monat; dazu kommt die Pflegepflichtversicherung, die auch mit Heilfürsorge Pflicht ist (§ 23 Abs. 4 SGB XI).
- Die Anwartschaft öffnet auch der Familie die Tür: Angehörige können die Öffnungsaktion nur nutzen, wenn der Heilfürsorgeberechtigte privat versichert ist oder eine Anwartschaft hat.
Eine Heilfürsorge-Anwartschaft in der PKV sichert Polizisten, Feuerwehrleuten, Justizvollzugsbeamten und Soldaten den späteren Wechsel in einen beihilfekonformen Restkostentarif – ohne neue Gesundheitsprüfung. Die kleine Anwartschaft friert den Gesundheitszustand ein, die große zusätzlich das Eintrittsalter. Über die Öffnungsaktion ist sie nur innerhalb von sechs Monaten ab Beginn der Heilfürsorge möglich; ein Anbieter nennt Beiträge ab 1 € im Monat (Stand Oktober 2026).
Warum Heilfürsorgeberechtigte eine Anwartschaft brauchen
Freie Heilfürsorge ist eine Leistung des Dienstherrn, keine Versicherung. Solange sie gilt, brauchen Sie für sich keinen Krankenversicherungsschutz. Sie endet aber – spätestens mit dem Ruhestand, in manchen Ländern nach der Ausbildung, für Soldaten auf Zeit mit dem Dienstzeitende. Danach gilt in der Regel Beihilfe: als Versorgungsempfänger meist 70 %, die restlichen 30 % müssen Sie privat versichern.
Ohne Vorsorge stellen Sie diesen Antrag nach Jahrzehnten im Dienst mit dem Gesundheitszustand, den Sie dann haben – mit Gesundheitsprüfung, möglichen Zuschlägen, Ausschlüssen oder einer Ablehnung. Die Anwartschaft verlagert diese Prüfung in die Gegenwart: Sie werden heute geprüft oder über die Öffnungsaktion aufgenommen, und der Versicherer verpflichtet sich, Sie später zu diesen Bedingungen in den Volltarif zu übernehmen.
Die Heilfürsorge kann auch früher enden, als viele denken: etwa bei einem Wechsel zu einem Dienstherrn ohne Heilfürsorge – ein Polizist, der von Niedersachsen nach Hessen oder Rheinland-Pfalz wechselt, erhält dort Beihilfe –, bei einem freiwilligen Verzicht oder in Ländern, in denen Heilfürsorge nur im Vorbereitungsdienst gilt. In all diesen Fällen brauchen Sie ab dem ersten Tag einen Restkostentarif. Mit einer Anwartschaft ist er sofort und ohne neue Prüfung verfügbar.
Kleine oder große Anwartschaft?
| Merkmal | Kleine Anwartschaft | Große Anwartschaft |
|---|---|---|
| Gesundheitszustand | eingefroren – später keine neue Prüfung | eingefroren – später keine neue Prüfung |
| Eintrittsalter | nicht gesichert – Beitrag nach dem Alter bei Umwandlung | gesichert – Beitrag nach dem Alter bei Abschluss |
| Alterungsrückstellungen | keine | werden aufgebaut |
| Beitrag heute | niedrig (ein Anbieter: ab 1 € im Monat) | deutlich höher; nur per Angebot |
| Beitrag später | höher, weil älter beim Einstieg | niedriger, weil jung „eingestiegen“ |
| Passt eher, wenn … | der weitere Weg offen ist oder das Budget knapp | der Weg in die Beihilfe sicher ist und Jahrzehnte entfernt liegt |
Eine pauschal richtige Variante gibt es nicht. Je sicherer Ihr Weg bis zur Pension und je größer der Abstand, desto mehr spricht für die große Anwartschaft – sie ist im Grunde ein vorgezogener Einstieg. Wer unsicher ist, ob er im Dienst bleibt, startet oft mit der kleinen. Ob ein späterer Wechsel von der kleinen zur großen Anwartschaft möglich ist und zu welchen Bedingungen, regelt der jeweilige Vertrag – fragen Sie vor dem Abschluss danach.
Die Frist: sechs Monate ab Beginn der Heilfürsorge
Laut PKV-Verband bezieht sich die Öffnungsaktion für folgende Gruppen nur auf eine Anwartschaftsversicherung für eine beihilfekonforme Restkostenversicherung:
- Beamte mit Heilfürsorge, zum Beispiel der Polizei einschließlich Bundespolizei, der Feuerwehr und des Justizvollzugs,
- Zeitsoldaten und Berufssoldaten mit truppenärztlicher Versorgung (Berufssoldaten ohne vorheriges Dienstverhältnis als Zeitsoldat).
Die Frist beträgt sechs Monate ab Begründung des Anspruchs auf Heilfürsorge bzw. truppenärztliche Versorgung – „nicht erst nach Ende der aktiven Dienstzeit und Wechsel in die Beihilfe“. Maßgeblich ist der Eingang des Antrags beim Versicherer. Nach dem Ende der Dienstzeit von Zeitsoldaten (Bezug von Übergangsgebührnissen) und mit dem Ruhestand von Berufssoldaten ist eine Aufnahme über die Öffnungsaktion nicht mehr möglich.
| Beginn der Heilfürsorge | Antrag spätestens beim Versicherer |
|---|---|
| 01.08.2026 | 31.01.2027 |
| 01.09.2026 | 28.02.2027 |
| 01.10.2026 | 31.03.2027 |
| 01.11.2026 | 30.04.2027 |
Ihr Datum berechnet der Fristen-Rechner – tragen Sie dort den Beginn Ihres Dienstverhältnisses ein. Was die Öffnungsaktion sonst regelt, steht auf der Seite Öffnungsaktion der PKV für Beamte.
Was kostet eine Anwartschaft für Heilfürsorgeberechtigte?
Für kleine Anwartschaften gibt es veröffentlichte Preise, für große kaum. Die Beispiele:
Zusätzlich bieten Versicherer Pakete an, die schon während der Heilfürsorge Leistungen enthalten, etwa für Heilpraktiker, Brillen oder Zahnersatz. Ob das sinnvoll ist, hängt davon ab, was Ihre Heilfürsorge abdeckt – in NRW zahlt zum Beispiel eine ergänzende Beihilfe zu Wahlleistungen und Zahnersatz. Für große Anwartschaften gibt es keine seriösen Durchschnittswerte; der Beitrag hängt stark von Alter, Tarif und Versicherer ab und lässt sich nur per Angebot ermitteln.
Die Pflegepflichtversicherung ist keine Option, sondern Pflicht (§ 23 Abs. 4 SGB XI). Wer über die Öffnungsaktion aufgenommen wird, zahlt dort keinen gesundheitsabhängigen Risikozuschlag (§ 110 Abs. 1 Nr. 2 d SGB XI). Sinnvoll ist meist, Pflegepflicht und Anwartschaft beim selben Versicherer zu halten.
Frist verpasst – was jetzt?
Wer die sechs Monate hat verstreichen lassen, kann trotzdem eine Anwartschaft abschließen – nur nicht mehr zu den Bedingungen der Öffnungsaktion. Der Versicherer prüft dann die Gesundheit wie bei jedem normalen Antrag und darf Zuschläge verlangen, Leistungen ausschließen oder ablehnen. Für viele jüngere Beamte ist das kein Problem; je länger der Dienst dauert, desto eher kann es eines werden. Deshalb gilt: lieber heute mit Prüfung als in zwanzig Jahren mit Prüfung.
Gesundheitsangaben gehören dabei in ein vertrauliches Gespräch, nicht in ein Online-Formular. Wie anonyme Risikovoranfragen bei mehreren Versicherern funktionieren, erklärt PKV-trotz-Vorerkrankung.de.
Drei Beispiele aus dem Dienstalltag
Polizeianwärterin, Start im September
Heilfürsorge ab dem ersten Tag. Sie schließt im ersten Halbjahr Pflegepflicht und Anwartschaft über die Öffnungsaktion ab – die Frist endet bei Start am 01.09.2026 vorsichtig gerechnet am 28.02.2027.
Bundespolizist, seit Jahren im Dienst
Die Öffnungsaktion ist vorbei. Er kann eine Anwartschaft mit normaler Gesundheitsprüfung beantragen und sollte vor dem Ruhestand nicht länger warten.
Feuerwehrmann, frisch verheiratet
Seine Frau erhält Beihilfe, wenn ihr Einkommen unter der Grenze liegt. Hat er eine Anwartschaft, kann sie binnen sechs Monaten ab der Heirat über die Öffnungsaktion zu seinem Versicherer.
Die Anwartschaft öffnet auch der Familie die Tür
Ein oft übersehener Punkt: Ihre Angehörigen – Ehe- oder Lebenspartner und Kinder – erhalten keine Heilfürsorge, sondern Beihilfe. Für sie gilt die Öffnungsaktion mit eigenen 6-Monats-Fristen, etwa ab der Heirat oder der Geburt. Voraussetzung laut PKV-Verband: Der Heilfürsorgeberechtigte selbst muss privat krankenversichert sein oder über eine Anwartschaft verfügen. Aufgenommen werden die Angehörigen dann bei dem Versicherer, bei dem die Anwartschaft besteht.
Ohne Anwartschaft verliert Ihre Familie also diesen Zugang. Für Kinder gibt es zusätzlich die Kindernachversicherung: Wird ein Neugeborenes innerhalb von zwei Monaten nach der Geburt angemeldet, darf der Versicherer keine Gesundheitsprüfung und keine Wartezeit verlangen (§ 198 VVG) – auch das setzt voraus, dass ein Elternteil bei diesem Versicherer versichert ist. Mehr dazu unter Polizei: Krankenversicherung für Ehepartner und Kinder.
Umwandlung: wenn die Heilfürsorge endet
1. Termin kennen
Ruhestand, Ende des Vorbereitungsdienstes (z. B. Thüringen), Verzicht auf Heilfürsorge oder Dienstzeitende – das Datum steht fest.
2. Satz berechnen
Als Versorgungsempfänger meist 70 %, in Bremen 60 % plus 5 je Angehörigem, in Hessen Familiensatz plus 10. Der Beihilfesatz-Rechner zeigt Ihren Wert.
3. Umwandeln
Rechtzeitig vor dem Stichtag beim Versicherer die Umwandlung in den passenden Restkostentarif beantragen – nach den Fristen Ihres Vertrags.
4. Beihilfe beantragen
Ab dem ersten Tag ohne Heilfürsorge: Rechnungen bei der Beihilfestelle einreichen, Familie und Pflege mitdenken.
Wichtig: Für Soldaten auf Zeit, die ab dem 31.12.2018 ausgeschieden sind, gibt es nach der Dienstzeit keine Beihilfe. Für sie führt die Anwartschaft in eine Vollversicherung – sinnvoll vor allem, wenn sie danach Beamte werden, als Angestellte über der Jahresarbeitsentgeltgrenze verdienen oder sich selbstständig machen. Einzelheiten unter Soldaten auf Zeit: Krankenversicherung beim Dienstzeitende.
Abgrenzung: Anwartschaft für andere Lebenslagen
Diese Seite behandelt die Anwartschaft für Heilfürsorgeberechtigte. Anwartschaften gibt es auch für andere Situationen – etwa bei einem Auslandsaufenthalt, einer Elternzeit oder einem vorübergehenden Wechsel in die GKV. Allgemeine Fragen dazu beantwortet der Ratgeber zur Anwartschaft auf KV-Statuswechsel.de. Den Überblick über alle Fragen rund um die Heilfürsorge gibt die Seite Heilfürsorge: privat oder gesetzlich?
Checkliste Anwartschaft
- Beginn Ihres Heilfürsorgeanspruchs notieren und sechs Monate rechnen.
- Kleine oder große Anwartschaft wählen – nach Sicherheit Ihres Wegs und Abstand zur Pension.
- Pflegepflichtversicherung beim selben Versicherer abschließen.
- Prüfen, welche Zusatzleistungen während der Heilfürsorge sinnvoll sind.
- Angehörige: Fristen ab Heirat und Geburt notieren; die Anwartschaft ist ihre Eintrittskarte.
- Vor dem Ruhestand: Umwandlung rechtzeitig beantragen und den neuen Beihilfesatz für sich und den Partner prüfen.
- Bei einem Wechsel des Dienstherrn: klären, ob dort Heilfürsorge oder Beihilfe gilt.
Satz, Frist und Länderregeln für Ihre Lage zeigt der kostenlose Beihilfe-Check in 60 Sekunden.
Häufige Fragen
Was bringt eine Anwartschaft in der privaten Krankenversicherung?
Sie sichert Ihnen den späteren Eintritt in einen PKV-Tarif zu den Bedingungen von heute. Die kleine Anwartschaft friert den Gesundheitszustand ein – später gibt es keine neue Gesundheitsprüfung. Die große friert zusätzlich das Eintrittsalter ein, sodass der spätere Beitrag niedriger ausfällt. Für Heilfürsorgeberechtigte ist das wichtig, weil spätestens im Ruhestand Beihilfe mit einem privaten Restkostenanteil folgt.
Was kostet eine Anwartschaft in der PKV für Polizisten?
Ein Versicherer bewirbt eine Anwartschaft für Heilfürsorgeberechtigte ab 1 € im Monat; die Pflegepflichtversicherung kostet laut demselben Anbieter ab 33 € je nach Alter (dbv.de, abgerufen 10.10.2026). Die GdP nennt für Mitglieder eine in der Ausbildung beitragsfreie Rahmenanwartschaft. Große Anwartschaften kosten deutlich mehr; belastbare Durchschnittswerte gibt es nicht.
Wie lange läuft die Anwartschaft auf eine private Krankenversicherung?
So lange, wie Sie sie brauchen und bezahlen – für Heilfürsorgeberechtigte typischerweise bis zum Ende der Heilfürsorge, also meist bis zum Ruhestand. Dann wird sie in einen beihilfekonformen Restkostentarif umgewandelt. Die genauen Laufzeit- und Umwandlungsregeln stehen in den Bedingungen des Versicherers.
Ist man bei der Heilfürsorge privat versichert?
Nein. Heilfürsorge ist eine Leistung des Dienstherrn, keine Versicherung. Privat versichert sind Heilfürsorgeberechtigte nur in der Pflegepflichtversicherung, die Pflicht ist, und gegebenenfalls über eine Anwartschaft und Zusatzbausteine.
Bis wann muss ich die Anwartschaft abschließen?
Über die Öffnungsaktion innerhalb von sechs Monaten ab Beginn des Heilfürsorgeanspruchs – also meist ab der Einstellung. Maßgeblich ist der Eingang des Antrags beim Versicherer. Später ist eine Anwartschaft nur noch mit normaler Gesundheitsprüfung möglich; Zeitsoldaten können nach dem Ende der Dienstzeit laut PKV-Verband nicht mehr über die Öffnungsaktion aufgenommen werden.
Quellen
- PKV-Verband: Erleichterte Aufnahme in die PKV für Beamte und deren Angehörige (Broschüre) – Stand Januar 2026
- § 23 SGB XI – Private Pflegepflichtversicherung
- § 110 SGB XI – Pflegepflichtversicherung (Risikozuschlag)
- § 204 VVG – Tarifwechsel
- DBV: Anwartschaft für Heilfürsorgeberechtigte (Versichererangabe) – abgerufen 10.10.2026
- GdP Sachsen: Broschüre Polizeianwärter – Sicherheit & Vorsorge (Rahmenanwartschaft)
- § 46 BBhV – Bemessung der Beihilfe (Versorgungsempfänger)
Dieser Beitrag bietet allgemeine Informationen zu der Beihilfe und der Krankenversicherung von Beamten (Stand: 12. Oktober 2026). Er ersetzt keine individuelle Beratung. Welche Lösung zu Ihnen passt, hängt von Ihrer persönlichen Situation ab, z. B. Alter, Gesundheit, Einkommen und Familie. Trotz sorgfältiger Prüfung übernehmen wir keine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität; Gesetze und Tarife ändern sich. Herausgeber: Beihilfe-Rechner.de. Beihilfe-Rechner.de ist kein Versicherungsmakler und bietet keine Versicherungs-, Rechts- oder Steuerberatung an; eine individuelle Beratung erfolgt ausschließlich durch spezialisierte Kooperationspartner mit Erlaubnis nach § 34d GewO.